Der nächste Boom in China: Die Sharing Economy

Die Sharing Economy in China erlebt einen unglaublichen Boom. Spezielle 2016 war ein turbulentes Jahr mit Übernahmen, neuen Ideen und Angeboten und Milliarden an Investitionen. Ideen der Sharing Startups finden in China die richtige Infrastruktur an. In keinem anderen Land sind mobile Bezahlverfahren so weit verbreitet und akzeptiert.

Der Uber und Didi Chuxing Wettlauf um die Vorherrschaft auf dem Chinesischen Markt für Car Sharing oder Ride Sharing – eine Art Mitfahrgelegenheit – war weltweit in den Medien. Didi hat den Kampf um den Chinesischen Markt gewonnen und den eigenen Vorsprung mit Features in der App weit ausgebaut. Über die App lassen sich nicht nur Mitfahrgelegenheiten organisieren. Man Taxis, private Chauffeure, Autos aller Arten – sogar Busse oder Fahrräder – organisieren. Gerade in Millionenstädten in China gibt es ein riesiges Angebot sowie eine riesige Nachfrage und sowohl die App selbst als auch die mobilen Bezahlmöglichkeiten sind vorbildlich integriert.

Seit Anfang 2016 ist das Phänomen des Bike Sharings nicht mehr zu übersehen in den großen Städten in China. Ofo und Mobike sind extrem schnell gewachsen und verändern das Stadtbild wie keine andere Marke je zuvor wie es scheint. Weitere „Me-Too“ Angebote sind entstanden wie BlueGoGo und uBicycle und weitere und alle kämpfen um den Markt. Das geniale Konzept: Man kann die Fahrräder per App lokalisieren, per QR Code entsperren und sobald man am Ziel angelangt ist, einfach irgendwo abstellen, das Smarte Schloss verriegeln und für etwa 30 Minuten werden 0,07€ automatisch vom Guthaben abgebucht. Natürlich wären sämtliche Fahrräder nicht straßenzulässig in Deutschland und Fahrräder abstellen wo man will ist sicherlich vielen ein Dorn im Auge – aber aus MoBike Kundensicht geht es nicht einfacher und bequemer.

Bike Sharing in China. Das Stadtbild vieler großer Städte hat sich innerhalb weniger Monate komplett verändert.

Seit Anfang 2017 sieht man auch vermehrt Autos mit dem gleichen Konzept: QR Code scannen, einsteigen, losfahren. Meist sind diese elektrisch, als zweisitzer eher klein und stechen aus der großen Menge an Autos mit ihrer Ei-Form heraus. Aber selbst hier: Für Nutzer dieses Services unglaublich praktisch und einfach.

Car Sharing funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie Bike Sharing: Auto finden, QR Code scannen und losfahren.

Chinesische Konsumenten, und speziell Millennials, sind deutlich eher dazu geneigt Produkte mit anderen zu teilen, hat eine Nielsen Studie herausgefunden. In China sagten 94% aller jungen Menschen, dass sie sich gut vorstellen könnten Produkte mit anderen zu teilen, wohin gegen es in Thailand nur 84% waren und in Europa und Amerika nur leicht über 50%.

Diese Zahlen in Kombination mit der Verbreitung von mobile Payments – ein Marktsektor welcher allein im vierten Quartal ein Umsatzvolumen von 12.8 Milliarden RMB (1,6 Milliarden EUR) vorweisen kann, laut der in Peking ansässigen Beratungsfirma Analysys – stellen eine ideale Infrastruktur für die Sharing Economy dar.

Von dem Wachstum der Vorreiter auf dem Chinesischen Sharing Markt inspiriert, etablierten sich gerade 2016 und 2017 viele weitere Startups die Sharing für alle möglichen Gegenstände möglich machen wollen.

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Zhulegeqiu ist ein Startup welches sich darauf spezialisiert Basketbälle zu vermieten. Gerade dieser Sport ist in China sehr beliebt und man sieht selbst in kleinen Dörfern oder bei größeren Fabriken auf dem Hof ein Basketball Spielfeld. Die Vermietung von Basketbällen funktioniert 100% automatisiert wie bei den anderen Ideen auch: In einem Regal bzw. Käfigen werden Basketbälle platziert. Mit einem QR Code lässt sich das Schloss entsperren. Der Betrag für die Nutzung des Basketballs wird automatisch vom Kundenkonto des Benutzers abgebucht. Das Unternehmen hat an vielen Basketballfeldern die automatischen „Ausleihregale“ aufgestellt.

Gerade in China ist das Smartphone aus dem Alltag nicht mehr weg zu denken – in der U-Bahn, beim Essen, auf der Toilette, beim Date – Smartphones sind allgegenwärtig wie auch die entsprechenden Angebote die alle für mobile Endgeräte optimiert sind.

Nach einem ähnlichen Prinzip wie das Smarte Ausleihregal funktioniert Powerbank sharing: Sitzt man beim Friseur und der Akku ist fast leer, kann man aus einem kleinen Regel mit Smarten Schlössern einfach eine Power Bank mieten. QR Code scannen, Powerbank entnehmen und man kann Unterbrechungsfrei weiter online Shoppen oder die mobilen Sozialen Medien wie etwa WeChat nutzen.

Powerbanks kann man auch kurzfristig in China ausleihen.

Bei den Ideen für die Sharing Startups ist kein Ende in Sicht. Seit kurzem gibt es Molisan einen Anbieter für Regenschirme in Guangzhou. Gerade in Städten mit Subtropischen Klima wo das Wetter oft ohne Vorwarnung umschlagen kann, sieht man häufig viele Leute an Ausgängen von U-Bahn oder Shopping Malls nachdem der unvermutete Regen eingesetzt hat und sie keinen Regenschirm dabei haben. Die Firma __ will hier Abhilfe schaffen: An öffentlichen Plätzen wie Shopping Malls oder an U-Bahn Stationen haben sie ihre Regenschirme platziert. 20 RMB (ca. 2,70€) werden als Kaution fällig bei einer Registrierung und pro Benutzung wird eine Gebühr automatisch vom Guthabenskonto abgebucht wie auch bei den Anbietern für so viele andere Produkte.

Schirme können jetzt in China geshared werden. Gerade an Tagen, an denen der Regen überraschend kommt, sehr praktisch.

Parkplatzsharing in China

In den großen Städten in China ist es schwer Parkplätze zu finden. Viele Leute mit Parkplatzproblemen mieten sich ein oder zwei Dauerparkplätze an denen sie häufig sind.

Das Startup Wushetingche hat eine App entwickelt mit der es möglich ist Autofahrer mit anderen Autofahrern zu verbinden die sich einen Parkplatz teilen können, wenn der jeweils andere den Parkplatz gerade nicht benötigt. Für diese Idee hat das Unternehmen mehrere Millionen RMB von Angel Investoren erhalten.

Kleidung ist zwar nicht teuer in China aber wie oft trägt man ein Kleidungsstück schon. Selbst bei vielen Personen in China sind die Kleiderschränke überfüllt und nach mehreren Jahren muss man ausmisten und Sachen in die Altkleidersammlung geben. Gleich mehrere Startups wollen sich diesem Problem annehmen: Ycloset, MSParis und NAIVE wollen junge Frauen als Kunden gewinnen die für eine monatliche Gebühr unbegrenzt viel Kleidung mieten können.

Und speziell für die Reisezeit haben es sich mehrere Startups zum Ziel gemacht, Haustiere zu sitten. DogVacancy, Xiaogaozaijia und Petbnb verbinden Hundehalter mit anderen Hundehaltern die sich um die lieben Vierbeiner kümmern, solange die Halterin im Urlaub ist.

Dogsitting zur Reisezeit

Investitionen für die Sharing Economy in China

Aufgrund der boomenden Beliebtheit der Sharing Economy, haben einige Startups Unmengen an Investmentkapital angezogen. Allein im letzten Monat haben die Investment Firmen IDG und Sequioa Capital über 120 Millionen Euro in über ein Dutzend Startups im Bereich Powerbank Vermietungen investiert. MoBike und Ofo besitzen nun einen Marktwert über 1 Milliarde Euro nachdem sie frisches Kaptial von großen Unternemen wie Tencent, dem Abgleger für Finanzprodukte von Alibaba – AntFinancial und dem Russischen Milliardär Yuri Millner erhalten haben. Man sollte bei den Zahlen nicht vergessen, dass diese Unternehmen keine drei Jahre alt sind.

Kaution und Nutzermassen

Besonders interessant für Unternehmen sind natürlich diese Vermietungsmodelle mit Kaution. Für Mobike sind es ca. 50€ die hinterlegt werden müssen, für die Regenschirme sind es keine 3€. Bei den günstigen Herstellungspreisen vor Ort ohne strikte Auflagen für Produkte und Haftung wie sie in Europa oder den USA existieren, sind die Investitionskosten relativ niedrig. Aufgrund der großen Bevölkerung kann in den Städten mit passendem Konzept und Marketing, schnell ein großer Kundenstamm aufgebaut werden was bedeutet, dass von den Nutzern die Kautionen eingezahlt werden. Bei etwa 1 Millionen Nutzern in einer 19 Millionen Einwohnerstadt wie Guangzhou sind das bereits 300 Millionen RMB an Kautionen welche bis zur Schließung des Kundenkontos oder bei groben Verstößen gegen die Regeln, einbehalten werden. Mit dem Geld lassen sich nicht nur teile der Produktion finanzieren – damit kann auch investiert werden.

Ein konstanter Cashflow ist, bei guter Idee, aufgrund der reinen Nutzermassen gewährleistet die es in vielen Chinesischen Großstädten gibt.

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