Website Hosting in China – Was spricht dafür, was dagegen?

Der chinesische Markteintritt stellt besondere Hürden dar, verglichen mit einer EU Expansion. Das macht sich an vielen Stellen bemerkbar – über Kultur, Bürokratie bis hin zu technischen Details ist in China vieles anders. Je nachdem wie eine ausländische Marke bzw. Firma auf dem Chinesischen Markt auftreten oder agieren soll gibt es diverse Optionen die von Anfang an durchdacht sein sollten.

Eine technische Herausforderung ist die Website der Marke oder des Unternehmens die den Chinesischen Kunden Informationen und Funktionen anbieten soll. Ein Teilproblem hier besteht aus der richtigen Wahl des Serverstandortes. Wo soll die Website gehostet werden? In China? In Asien oder im Heimatland des ausländischen Unternehmens wie zum Beispiel Deutschland?

Nachfolgend eine Übersicht an Vor- und Nachteilen des Webhostings in China.

Vorteile

Stark reduzierte Ladezeiten

Je weiter eine Website vom Browser entfernt ist, desto langsamer lädt sich – jedenfalls vereinfacht gesagt. Müssen die Daten einer Website also von einem etwa Österreichischem Server bis nach Shanghai transportiert werden, dauert das Länger als der Datentransport von Shanghai nach Shanghai. Google nutzt die Ladezeiten als Rankingfaktor – Baidu wird wahrscheinlich auf ähnliche Kriterien zurückgreifen wie Google und somit die Ladezeiten oder Serverantwortzeiten in das Ranking einer Website einfließen lassen.
Aber selbst wenn man die technischen Details außen vor lassen will, eine langsam ladende Website ist für Besucher wenig attraktiv und resultiert in einer höheren Bounce Rate.
Wird eine Website somit in China gehostet, werden sich definitiv die Ladezeiten reduzieren und damit sollten sowohl menschliche Besucher als auch Baidu und die anderen Suchmaschinen die Website entsprechend positiv bewerten.

Lokale Websites werden positiv bewertet

Viele Website benutzen auch die geografische Position als ein Rankingkriterium – das macht hauptsächlich Sinn bei Dienstleistungen regionaler Natur und ist deswegen kein Schwerwiegendes Kriterium aber viele Suchmaschinenmarketer gehen davon aus, dass ein regionales Hosting sich positiv auf das Ranking auswirkt.
Bei Baidu sollte es ähnlich sein – eine Kombination aus .cn oder .com.cn Domain und einer chinesischen IP Adresse der Website sollte ein besseres Ranking ergeben als eine .com Domain die in den US gehostet wird.

Der Zensur nicht bzw. anders unterworfen

Wird ein Shard Hosting Account eingesetzt, kann es gut sein, dass die eigene Website von der Chinesischen Firewall zensiert wird, ohne dass politische oder illegale Themen auf der Website besprochen werden. Das kann dann daran liegen, dass ein anderer Kunde auf dem gleichen Server mit der gleichen IP Adresse sich nicht an die Chinesischen Regeln hält (warum sollte man auch in Europa?). Die gesamte IP Adresse des Servers wird dann aus China geblockt und plötzlich hat man auf seiner Chinesischen Unternehmenswebsite keine Besucher mehr aus China.
In China gibt es natürlich auch eine Zensur, aber innerhalb Chinas ist die Kontrolle durch die entsprechenden Behörden einfacher und somit ist es eher unwahrscheinlich, dass der eigene Server – selbst wenn es sich um Shared Hosting handelt – geblockt wird.

Nachteile

Eine ICP Lizenz zu erhalten ist Mühsam

Gerade wenn man als Webmaster die Regeln aus Westeuropa oder Amerika gewohnt ist, scheint dieser Schritt unverständlich.

website_in_china_hosten_icp_zertifikatIn China benötigt jede Website eine ICP Lizenz (Internet Content Provider Lizenz – 备案 auf Chinesisch). Das ist ein Dokument welches man von der entsprechenden Behörde inkl. Stempel erhält auf dem die zugeteilte Nummer steht.

 

Auf vielen Chinesischen Websiten im Footer sieht man dann anstelle vom Impressum mit Pflichtangaben die ICP Nummer. Falls eine Website nicht über eine ICP Nummer verfügt sind die Internet Service Provider dazu angehalten Website zu blocken. Von der Beantragung bis zur Vergabe der ICP dauert es normalerweise um die drei bis sechs Wochen.

Limitierter Service und Angebot

Da der Servermarkt in China noch nicht so weit fortgeschritten ist wie der in den US oder in Westeuropa muss man sich mit deutlich weniger Angeboten und schlechterem Service zufrieden geben – das ganze natürlich für einen deutlich höheren Preis.

Technischer und Administrativer Verwaltungsaufwand

Mit dem Anmieten eines weiteren Servers erhöht sich auch der technische Aufwand diesen zu betreuen, pflegen und aktuell zu halten. Die Website gänzlich außen vor gelassen, sollte der Server an sich ja schon ein lokales Setup erhalten mit Chinesischem Datum und Uhrzeit, UTF8 Support, die Quellen für Serverupdates sind plötzlich andere als die gewohnten in Europa oder den USA. Backups, Sicherheitslücken, Patches – je nach Art des Hostings und den Bedürfnissen der Website muss hier einiges an Mehraufwand investiert werden als bei einem zentralen Server in Deutschland der sämtliche Europäische Kunden bedient.

Eine cn Domain ist nicht so beliebt wie eine de

In Deutschland geht kaum ein Weg an einer de Domain (Top Level Domain – TLD) vorbei. Sobald man auf weniger oder unbekannte E-Commerce Seiten kommt oder andere Angebote findet die zwar ein Deutschsprachiges Publikum ansprechen aber keine de, at oder ch Domain verwenden breitet sich sicher bei vielen erstes Misstrauen aus.
In China sieht das anders aus: Sicher auch durch die Zensur, die aufwendige Lizenzvergabe und die strikte Regulierungen suchen viele IT affine Chinesen alternative Wege eine Website online zu stellen. Eine .com Domain ist normalerweise die einfachste Option die von vielen gern verwendet wird und durchaus gängig. Ein großes Vertrauensproblem stammt nicht unbedingt von der TLD sondern eher aus der Kultur und den Medien selbst. Führt man diesen Gedanken weiter könnte eine .cn Domain in manchen Fällen eher schaden, wohingegen eine .com Domain ein gewisses Ansehen genießt. Eine .de Domain – obwohl Made in Germany – ist eher unbekannt und kann im Marketing einfach getestet werden ob es auf Zuspruch stößt.

Es muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden ob das Hosting in China Sinn macht. Das allerwichtigste Kriterium sind sicher die Ladezeiten. Beinhaltet die Website nur wenig Content und am besten noch statischen und es werden keine externen JS oder CSS Bibliotheken geladen, kann eine Website auch durchaus wie die Websites für die Europäischen Kunden auf einem Server in Europa gehostet werden. Da heutzutage aber die meisten Websites dynamisch und responsive sind und diverse Bibliotheken benötigen wird ein Hosting in China oder zumindest in der Nähe für Baidu und menschliche Besucher interessanter. Hosting Angebote in Ländern wie Hong Kong, Singapur und Macau sind eine gute Zwischenlösung: Sie unterliegen nicht den Chinesischen Regularien und bürokratischen Prozessen und werden durch den Internationalen Hintergrund in diesen Ländern häufig mehrsprachig in Chinesisch und Englisch angeboten. Auch die Preise, der Service und die Entwicklung des Servermarktes liegen da näher an Europa.